Pneumologie (Lungen- und Bronchialheilkunde)

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu den folgenden Themen und Erkrankungen:

  1. Allgemeine Hinweise zur Lunge
  2. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  3. Interstitielle Lungenerkrankungen und Lungenfibrose
  4. Infektiöse Lungenerkrankungen
  5. Asthma Bronchiale

1. Allgemeine Hinweise zur Lunge

Die Lunge ist eines unserer leistungsfähigsten Organe. Im Laufe eines Tages bewegt sie zwischen 10.000 und 15.000 Liter Luft; so viel würde man zum Füllen eines Heißluftballons benötigen. Zusammen strömen 10.000 Liter Blut durch die Lunge und versorgen den Körper mit dem lebenswichtigen Sauerstoff. Die Lunge ist darüber hinaus ein Entsorgungsorgan für das Abfallprodukt Kohlendioxid. Würde man die vielen Verästelungen der Lunge aneinanderlegen, ergäbe sich eine beachtliche Gesamtlänge von 700 Metern. Schließlich entspricht die Gesamtfläche aller Lungenbläschen der Fläche eines Tennisplatzes. Es ist offensichtlich, dass Funktion und Gesundheit einer derart großen, ständig der Umwelt ausgesetzten Oberfläche durch inhalatives Rauchen, Umwelteinflüsse und verunreinigte Luft stark beeinflusst werden.

2. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Neue Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie

Wesentliche Ursachen für diese bedrohliche Zunahme der Atemwegserkrankungen ist das inhalative Rauchen vor allem die zunehmende Zahl jugendlicher und weiblicher Raucher. Klima- oder berufsbedingte Umweltfaktoren sind deutlich weniger verantwortlich für diese Entwicklung. Im Gegensatz zu Krankheiten aus dem Herz-Kreislauf-Bereich, die insgesamt rückläufig sind, steigen die Atemwegserkrankungen weiter an. Die Weltgesundheitsorganisation errechnete kürzlich, dass eine weitere Steigerung der Atemwegserkrankungen um 25% bis zum Jahre 2020 zu erwarten ist.

Es wird in den nächsten Jahren zur Steigerung der Todesursachen durch chronische Atemwegs- und Lungenerkrankungen, Emphysem, chronisch obstruktive Bronchitis kommen. Die COPD wird laut WHO-Analysen für das Jahr 2020 Platz 3 der "Hitliste" der 10 häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen (hinter Herzkranzgefäßerkrankungen und Schlaganfall) einnehmen. Unter sozioökonomischen Aspekten sind Lungenerkrankungen von großer Bedeutung; sie verursachen ca. 20 Milliarden Euro, die zweithöchsten Kosten aller Krankheitsgruppen in Deutschland, sie werden nur noch übertroffen von den Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Therapie der COPD

In jüngerer Vergangenheit hat sich eine international besetzte Initiative ("GOLD", Global Initiative for chronic obstructive lung disease) mit dem Ziel konstituiert, allgemein akzeptierte Richtlinien zu Diagnostik, Schweregradeinteilung, Prävention und Therapie der COPD zu formulieren und zu verbreiten. Im Wesentlichen basierend auf der Lungenfunktion werden die Schweregrade der COPD definiert und die Differentialtherapie durchgeführt.

Hierzu gehören Inhalationstherapie mit Bronchodilatatoren in allen Stadien und zusätzlich inhalative Glukokortikoide bei höheren Schweregraden, vor allem, wenn es zuvor mehrfach zu Krankenhausaufenthalten infolge schwerer Infekte kam. Im fortgeschrittenem Krankheitsstadium der COPD mit Lungenemphysem und deutlichem Sauerstoffmangel (Hypoxämie) führt die Sauerstofflangzeittherapie zur Verbesserung der Überlebensrate und Lebensqualität. Insbesondere mit dem Ziel der Rekonditionierung eines nur noch gering mobilen COPD-Patienten ist der Nutzen von pulmologischer Rehabilitation nachgewiesen.

Bei bestimmter Morphologie des Emphysems führt die Lungenchirurgie mit Lungenvolumenreduktion zur objektiv messbaren und subjektiv spürbaren Verbesserung.

Im Endstadium der COPD in Form der Atmungsinsuffizienz und Überlastung der Atmungsmuskulatur mit führender Hyperkapnie (PCO2 > 55 mmHg), wird zunehmend die nicht-invasive Heimbeatmung (mit einer Maske als Beatmungszugang) eingesetzt. Bei der akut respiratorischen Insuffizienz infolge exazerbierter COPD führt die nicht-invasive Maskenbeatmung im Vergleich zur invasiven Beatmung über Trachealtubus zur Verbesserung der Überlebensrate und Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes.


3. Interstitielle Lungenerkrankungen und Lungenfibrose

Nicht-infektiöse Entzündungen der Lunge werden unter dem Sammelbegriff "interstitielle Lungenerkrankungen" zusammengefasst. Allgemeines Merkmal dieser heterogenen Erkrankungsgruppe ist die Ansammlung von Entzündungszellen im Lungengewebe. Im Laufe dieses sich selbst unterhaltenden Entzündungsprozesses in der Lunge kommt es zur Vermehrung von Bindegewebe mit der Folge des zunehmenden Verlustes von normaler Lungenstruktur. Dadurch reduziert sich einerseits die Fläche für den Gasaustausch (weil normales Lungengewebe verloren geht) und andererseits verschlechtert sich die Belüftungsfähigkeit der Lunge. Der Endzustand eines derartigen Prozesses ist die sogenannte "Lungenfibrose". Sie stellt die Antwort des Lungengewebes auf den chronischen Entzündungsprozess im Sinne einer Wundheilung im Narbengewebe dar.

Die Beschwerden der Patienten sind unspezifisch und bestehen aus Luftnot zunächst unter körperlicher Belastung, später auch in Ruhe und / oder trockenem Reizhusten. Nicht selten vergeht ein relativ langer Zeitraum, bis die richtige Diagnose gestellt ist.

Die Diagnostik besteht zunächst in einer umfangreichen Lungenfunktionsdiagnostik. Hier zeigt sich eine Reduktion des Lungenvolumens und ein gestörter Gausaustausch.

Bildgebend wird neben dem konventionellen Röntgenbild des Brustkorbes, welches in den Frühstadien häufig keinen eindeutigen pathologischen Befund zeigt, eine Computertomographie (CT) in Dünnschnitttechnik durchgeführt. Häufig lässt sich bereits anhand der CT-Befunde eine richtungsweisende Diagnose stellen.

Desweiteren erfolgen Lungenspiegelung (Bronchoskopie) mit Lungenspülung (Lavage), um den Anteil der Entzündungszellen in der Spülflüssigkeit zu beurteilen. Häufig ist zur endgültigen Diagnosestellung eine Entnahme von Lungengewebe im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffs zur feingeweblichen (histologischen) Beurteilung notwendig.

Meistens bleibt die Ursache der interstitiellen Lungenerkrankungen und der Lungenfibrose unklar. Die bekannten Ursachen für diese Erkrankungsgruppe können allgemein wie folgt gegliedert werden:

  1. Assoziation mit Systemerkrankungen des rheumatischen Formenkreis
  2. Inhalation von Stäuben
  3. Einwirkung nichtinhalativer Noxen

Die therapeutischen Ansätze sind beschränkt. Wenn möglich ist die wichtigste Maßnahme das Vermeiden der Inhalation von Stäuben oder Noxe. In der Entzündungsprozess noch aktiv, dann bestehen relativ gute Aussichten auf einen Therapieerfolg mit Cortison, oft in Kombination mit anderen entzündungshemmenden Medikamenten, wie z. B. Cyclophosphamid oder Azatioprin.

Dominiert der Fibroseanteil, dann sind die genannten Medikamente meistens wirkungslos. Bei Sauerstoffmangel wird die Sauerstofflangzeittherapie begonnen. Starke Luftnot kann durch Morphinpräparate gelindert werden. In Einzelfällen kommt es zur Lungentransplantation.

4. Infektiöse Lungenerkrankungen

Infektiöse Erkrankungen der tiefen Atemwege und der Lungen werden durch Bakterien, Viren, Pilze und - in unseren Breiten selten - durch Parasiten verursacht. Wegen des unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Vorgehens wird zwischen außerhalb des Krankenhauses und im Krankenhaus entstandenen Lungenentzündungen unterschieden. Mehr als zwei Drittel aller Lungenentzündungen entstehen außerhalb des Krankenhauses. Von diesen Patienten muß aber wegen der Schwere der Erkrankung letztlich jeder vierte im Krankenhaus behandelt werden. Bei unkompliziertem Verlauf ist eine Lungenentzündung in zwei bis drei Wochen ausgeheilt. Schwerst kranke Patienten werden auf unserer Intensivstation behandelt und gegebenenfalls vorübergehend künstlich beatmet.

Eine Sonderform der Infektionskrankheiten stellt die Tuberkulose dar. Sie kann grundsätzlich jedes Organ befallen. 80% der Erkrankungen betreffen jedoch die Lungen und / oder das Rippenfell. Lymphdrüsen, Nieren und Geschlechtsorgane, Knochen und Gelenke sowie die Hirnhäute sind die häufigsten Manifestationsorte außerhalb der Atmungsorgane. Die Zahl der Neuerkrankungen an Tuberkulose hat in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. (Weltweit ist die Tuberkulose aber unverändert die häufigste Infektionskrankheit!) Diese Entwicklung spiegelt sich entsprechend auch bei unseren Patientenzahlen wider:

Wurden 1997 noch 155 Patienten mit Tuberkulose stationär behandelt, waren es im letzten Jahr 83 Patienten. Auch wegen der abnehmenden Häufigkeit sollten Tuberkulosepatienten nur in Krankenhäusern behandelt werden, die - wie unsere Klinik - als Zentrum, über die entsprechende Erfahrung verfügen.

An Tuberkulose erkrankte Patienten werden auf unserer Infektionsstation behandelt und sind in Einzelzimmern untergebracht, solange sie die Erreger abhusten und damit ihre Umgebung gefährden. Nach zwei bis drei Wochen medikamentöser Behandlung besteht in der Regel keine Ansteckungsfähigkeit mehr und die Isolierung kann aufgehoben werden. Mit den heutigen modernen Medikamenten ( Antituberkulotika ) kann nahezu jede Tuberkulose geheilt werden.

Voraussetzung hierfür sind richtige Dosierung und regelmäßige Einnahme der Medikamente.

Schwierigkeiten sind in den letzten Jahren durch zwei Entwicklungen entstanden:

Zum einen nimmt die Zahl der Patienten zu, die gleichzeitig an Tuberkulose und AIDS erkrankt sind. Die Abwehrschwäche dieser Patienten erschwert die Therapie der Tuberkulose und vermindert gleichzeitig die Erfolgsaussichten einer erfolgreichen Tuberkulosebehandlung.

Zum anderen nimmt - bedingt durch Migrationsströme aus Osteuropa und Asien - die Zahl der Tuberkulosen zu, bei denen zwei oder mehr der antituberkulotischen Medikamente von Beginn an unwirksam sind (multi drug resistance = MDR). Diese Patienten stellen ein besonderes Infektionsrisiko dar, die Behandlung ist schwierig, langwierig und kostenintensiv.


5. Asthma Bronchiale

Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Atemwegserkrankung, die vorwiegend durch Allergene, körperliche Anstrengung, sowie auch durch Medikamente verursacht werden kann. Durch die Entzündung kommt es zur Verengung der Atemwege, was zur Luftnot führt. Typisch für Asthma ist, dass der Grad der Atemnot sowie die Häufigkeit des Auftretens der Atemnot stark variieren kann. Im Vergleich zu Gesunden sind beim Asthmatiker die Atemwege sehr empfindlich und reagieren sensibel auf Umwelteinflüsse.

Etwa 10% der Kinder leiden an Asthma bronchiale oder haben ein nachweislich überempfindliches Bronchialsystem. Etwa 5% der Erwachsenen haben die Diagnose Asthma bronchiale.

Die Ursachen des Entstehens des Asthma bronchiale sind noch nicht vollständig erklärt. Sicher ist allerdings, dass neben erblichen auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Im Wesentlichen sind Entzündungszellen sowie zahlreiche Botenstoffe für Entstehung und Unterhaltung der Atemwegsentzündung und des Asthma bronchiale verantwortlich.

Durch bestimmte Lungenfunktionsprüfungen lässt sich das Asthma bronchiale nachweisen. Durch antientzündliche Medikamente, die die Atemwegsentzündung hemmen, sowie bronchialerweiternde Medikamente, die zur Entspannung der Bronchialmuskulatur und Erweiterung der Atemwege führen, ist das Asthma bronchiale gut zu behandeln.